Wieviel Geld kannst du mit einem Reiseführer verdienen?

Wie kannst du deine Leidenschaft fürs Reisen und Unterwegssein zu Geld machen?
Die letzte Urlaubsreise als Buch herausbringen, thematisch passende Touren zusammenstellen und damit Geld verdienen?

In diesem Beitrag zeige ich dir, mit welchem Honorar du bei einer Veröffentlichung rechnen kannst. Egal, ob bei einem Verlag oder im Selfpublishing.

Verlagsvertrag

Wer ein Buch bei einem seriösen Verlag veröffentlicht, erhält einen Verlags- oder Autorenvertrag. Darin sind die Rechte und Pflichten beider Seiten festgelegt. Eine Kenngröße betrifft die Höhe des Honorars.

Reiseführer im Taschenbuch

Wenn ein Buch als Taschenbuch veröffentlicht wird, beispielsweise als handlicher Städteführer, beträgt das Autorenhonorar in der Regel 5 % vom Nettoladenpreis.

Was bedeutet das?

Der auf dem Buch aufgedruckte Preis (meistens in der Nähe des Barcodes zu finden) ist der Bruttoladenpreis. Davon werden 7 % Mehrwertsteuer abgezogen. Ergebnis ist der Nettoladenpreis, aus dem sich die Vergütung errechnet.

Beispiel

Wird ein Städte- oder Wanderführer für 9.99 Euro im Laden verkauft, liegt der Nettoladenpreis bei 9,29 Euro. Da von jedem verkauften Exemplar 5 % Honorar abgeführt werden, erhält ein Autor in diesem Beispiel 46 Cent.

Vorsicht: Nettoerlös

Beim Vertrag sollte man darauf achten, dass das Honorar sich aus dem Nettoladenpreis errechnet. Er ist leicht zu ermitteln (Verkaufspreis minus Mehrwertsteuer) und damit eine fest definierte und nachvollziehbare Größe.

Weniger schön ist es, wenn ein Autorenvertrag 5 % vom Nettoerlös vorsieht. Grund dafür ist, dass der Nettoerlös keine feste Größe ist, sondern auf Faktoren beruht, die relativ intransparent sind.

Um einen Nettoerlös zu definieren, werden verlagsseitige Kosten für Vertrieb, Druck, Marketing usw. angesetzt und vom Verkaufspreis abgezogen.

Bei einem Reiseführer für beispielsweise 9.99 Euro kann es passieren, dass der Nettoerlös bei nur noch 5 Euro liegt. Wenn nun das Honorar 5 % vom Nettoerlös beträgt, sind das nur noch 25 Cent.

Bei einer Honorarregelung nach Nettoerlös sind Autoren benachteiligt

  • Der Nettoerlös ist deutlich geringer als der Nettoladenpreis
  • Wie hoch der Nettoerlös ist, kann sich erst nach dem Verkauf eines Buchs herausstellen
  • Für eine genaue Übersicht der Kosten ist der gute Wille des Verlags Voraussetzung

Einen Muster-Verlagsvertrag findest du hier.

Reiseführer als Hardcover

Wenn ein Buch als Hardcover erscheint, beispielsweise als Bildband, können Autoren mit
8 bis 10 % vom Nettoladenpreis rechnen. Auch bei Sachbüchern (Touren-Tagebuch, How-To-Anleitungen, usw.) liegen Honorare bei 7 bis 10 % vom Nettoladenpreis.

Was am Ende hängenbleibt, hängt von der Größe der Zielgruppe ab.

Berlin beispielsweise hatte allein im Juli(!) 2019 3,22 Millionen Übernachtungsgäste. Ein Teil davon wird sich mit einem Städteführer auf diesen Trip vorbereitet haben.

Plant man hingegen einen Bericht über die Grönland-Reise aus dem vergangenen Sommer, ist die Zielgruppe deutlich kleiner.

Vorschuss

Grundsätzlich ist ein Vorschuss möglich, beispielsweise um einen Teil der Reise damit zu finanzieren. Allerdings bedeutet der Vorschuss für den Verlag ein Risiko. Er wird dieses Risiko kaum eingehen, wenn er dich nicht kennt.

Wenn du ihn dennoch überzeugen konntest, beispielsweise mit einem besonders interessanten Thema, wird ein Vorschuss meist in drei Raten bezahlt:

25 % bei Vertragsabschluss
25 % bei Manuskriptanlieferung
50 % bei Erscheinen des Buchs

Der Vorschuss wird mit dem Verkauf eines Buchs verrechnet. Das heißt, die 5 %-Beteiligung am Verkauf behält der Verlag, bis er den bezahlten Vorschuss erwirtschaftet hat. Erst danach werden dem Autor wieder Anteile am Verkauf vergütet.

Nicht rückzahlbarer Vorschuss

Eine für Autoren sympathische Gepflogenheit der Branche: Normalerweise muss ein Vorschuss nicht zurückbezahlt werden. Auch dann nicht, wenn das Buch wider Erwarten ein Flop ist. Theoretisch zahlt der Verlag also am Ende drauf.

Autoren sollten darauf achten, dass ein Vorschuss »nicht rückzahlbar« ist. Sie vermeiden damit, dass ein Vorschuss zwei Jahre später wieder zurückgefordert wird, weil ein Buch doch nicht so gut läuft.

Um das Risiko im Griff zu minimieren, taxieren Verlage ein Projekt nach den Kriterien

  • Thema
  • Zielgruppe
  • Aktualität
  • Mitbewerber

Dazu kommen »weiche« Faktoren wie …

  • aktueller Anlass
  • Thema in Mode

… und anderes mehr.

Rechnet der Verlag mit einem kommerziellen Erfolg, ist der Vorschuss entsprechend hoch. Umgekehrt kann man bei einem Durchschnittsthema von einem durchschnittlichen, also relativ geringen, Vorschuss ausgehen.

Als unbekannter Autor kann man bei einem kleineren Verlage mit einem Vorschuss von wenigen hundert bis unter 5.000 Euro rechnen. Bei mittleren bis großen Verlagen gehen Vorschuss-Zahlungen bis etwa 7.000 Euro.

Kleinverlag

Klein- und Kleinstverlage im Reisesegment sind auf eine bestimmte Region oder ein enges Themengebiet spezialisiert. In ihrer Nische existieren sie gut, jedoch ist das Budget begrenzt.

Wenn unter den wenigen Neuerscheinungen ein oder zwei Flops sind, kann das gesamte Geschäftsjahr ins Minus rutschen.

Kleinverlage kalkulieren daher noch knapper als die größeren Häuser. Entsprechend schmal ist das zu erwartende Honorar und das Gleiche gilt auch für den Vorschuss.

In der Zusammenarbeit mit einem Kleinverlag profitieren Autoren weniger materiell, dafür umso mehr von »weichen« Faktoren. Der Verlag ist überdurchschnittlich engagiert, um seine Bücher an die Leser zu bringen.

Autoren werden umfassend mit Rat und Tat versorgt und erfreuen sich einer persönlichen Ansprache.

Selfpublishing

Print

Auch ein selbstverlegtes Buch ist umso erfolgreicher, je mehr Exemplare davon verkauft werden.

Die Herstellungskosten werden vor allem vom Umfang eines Projekts beeinflusst. Mehr Seiten bedeutet automatisch höhere Druckkosten. Als Faustregel gilt, je dicker das Buch, umso teurer die Herstellung.

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Das Gleiche gilt für den Einband. Ein Hardcover ist in der Herstellung relativ teuer. Deshalb bringen die meisten Selfpublisher ihr Buch als Softcover oder Taschenbuch heraus.

Bei der Preiskalkulation sollte man sich in seine Käufer hineinversetzen. Sind die bereit, für ein Taschenbuch eines unbekannten Autors 12 oder 14 Euro zu bezahlen? In der Regel kann man diese Frage verneinen.

Wer im üblichen Preisbereich (bis 4.99 Euro, bis 9.99 Euro, usw.) bleibt, kann mit einem relativ schmalen Buch vielleicht 1 bis 2 Euro pro Exemplar verdienen.

Bei einem umfangreichen Buch fällt der Verdienst aufgrund der Herstellungskosten oft rapide auf 70 Cent oder noch weniger ab.

Bei einem Bildband ist die Kalkulation noch eine Stufe schwieriger. Die Druckkosten für farbige Seiten liegen deutlich über dem Preis für Seiten für schwarz-weiß.

Soll ein Buch farbig gedruckt und als Hardcover erscheinen, muss ein entsprechend hoher Verkaufspreis angesetzt werden, um am Ende noch etwas daran zu verdienen.

Print-on-Demand

Ein hoher Verkaufspreis bedeutet in der Regel geringe Stückzahlen. Um kein Risiko einzugehen und Ware nicht vorfinanzieren zu müssen, empfehle ich den Druck bei einem Print-on-Demand-Dienstleister.

Für den Anfang lässt man eine kleine Stückzahl drucken. Ein paar Exemplare gehen an die Presse. Zwei, drei Bücher wandern in dein persönliches Archiv. Sofern man jemanden beschenken möchte, geht ein Teil an Familie und enge Freunde.

Zahlende Leser können das Buch in Buchhandlung oder Onlineshop kaufen. Sobald eine Bestellung eingegangen ist, druckt der Dienstleister die gewünschten Exemplare und liefert an die bestellenden Händler aus.

Der Käufer muss zwar zwei bis fünf Tage auf sein Buch warten, der Selfpublisher hat jedoch sein Risiko minimiert.

Wenn alles gut läuft und ein Buch sich wie erhofft zum Bestseller entwickelt, reagieren auch die Zwischenbuchhändler. Zwischenbuchhändler werden in der Branche auch als Barsortimente bezeichnet. Deren IT bemerkt relativ schnell, wenn ein Buch »gut läuft« und löst daraufhin eine Nachbestellung beim Dienstleister aus. Daraus entsteht eine »kleine« Lagerhaltung beim Zwischenbuchhändler, die auf dessen eigenes Risiko hin erfolgt.

E-Book

Wenn ein E-Book veröffentlicht wird, entfallen sämtliche Druckkosten. Wenn alle Arbeiten selbst erledigt werden, liegen die Herstellungskosten sogar bei null.

Dafür tobt bei E-Books mittlerweile ein Preiskampf. Viele Selfpublisher bieten ihr Buch für 1.99 Euro oder weniger an. Wer da mitzieht, ist beim Verdienst pro verkauftem Exemplar schnell bei 50 Cent oder noch weniger.

Um ein annähernd befriedigendes Honorar zu erzielen, muss man also über hohe Stückzahlen gehen. Das wiederum ist bei E-Books eine Herausforderung. Die wenigsten Selfpublisher verkaufen 1.000 Exemplare oder mehr.

Zum Selfpublishing gehört mehr, als das reine Schreiben. Zwar kann einem über den gesamten Prozess hinweg niemand hineinreden, aber Lektorat, Cover, Buchsatz und Marketing, all diese Dinge muss man selbst erledigen. Und das am besten professionell.
Oder man heuert Spezialisten an, natürlich zu entsprechenden Kosten.

Eins von beidem muss man investieren: Zeit oder Geld.

Warum sich ein Reiseführer lohnt

Mit Büchern reich zu werden, ist ein langer und steiniger Weg. Aber es lohnt sich.

Immateriell gewinnt man von der ersten Minute an: Man schreibt, reflektiert, wird immer besser in seinem Thema.

Wer einen Verlagsvertrag ergattert, kann sich entspannt zurücklehnen und die nächste Tour planen.

Selfpublisher sollten die Kosten im Auge behalten. Mit einem E-Book und einer Druckausgabe im Print-on-Demand-Verfahren ist man auf der sicheren Seite.

Jedes verkaufte Exemplar bringt einen kleinen Gewinn. Das ist nicht die schlechteste Motivation, um neue Pläne zu schmieden.

Lesetipp

Wie ein Exposé aufgebaut wird – mit Muster.

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Beispiel-Lektorat

Beispiel-Lektorat Symbolfoto by Ian Schneider on Unsplash

Im Beispiel-Lektorat bearbeite ich drei Seiten Text kostenlos. Du erfährst, wie Lektorat geht, wie Texte verbessert werden und an welchen Stellschrauben im Manuskript du noch drehen kannst.

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