Wie du lernst dein Exposé zu lieben

Wie du lernst dein Exposé zu lieben

Ein Exposé zu schreiben, ist wie drei Kasten Bier in die Dachgeschosswohnung zu schleppen. Ich kenne niemanden, der sich darum reißt. Obwohl man Bier anschließend kühl genießen kann. Einen Plan oder eine Handlungsskizze leider nicht.

Was also tun?

Versetz dich in die Lage deiner Leser

Ich zeige dir eine Methode, mit der du dein Exposé lieben lernst. Naja, Liebe ist übertrieben, aber schliesslich solltest du auf diesen Beitrag klicken. 😉 Was also tun, damit dir deine Handlungsskizze besser gelingt?

Versetz dich in die Lage deiner Leser.

Wie, das tust du doch sowieso schon?

Stimmt, das tust du. Du hattest und hast deine Leser immer im Blick.

Aber hier geht es nicht um die Leser deines Buchs, sondern um Fachleute aus Verlag oder Agentur. Diese Leser, deine Lektoren, sind eine andere Zielgruppe als die für deinen Roman.

Und jetzt überlege dir: Was macht ein Lektor den ganzen Tag?

Falsch.

Lesen ist es nicht. Fürs Lesen hat ein Lektor gar keine Zeit. Überspitzt gesagt.

Ein Arbeitstag im Verlag ist eng getaktet: Aktive Programmplanung, Konferenzen, Schriftverkehr, Autorenpflege. All das gehört zu den Aufgaben eines Lektors. Natürlich: Zwischendurch schaut er auch mal in die Exposés, die seit der letzten Kaffeepause eingetrudelt sind. Da ihm aber ständig die Zeit im Nacken sitzt, wird diese Arbeit gern an den Praktikanten delegiert.

Dein Leser ist gestresst. Noch während er den ersten und vielleicht auch noch den zweiten Satz deines Exposés überfliegt, rattern in seinem Oberstübchen bereits Kategorisierungen: Anfänger. Dilettant. Könnte mit der ein oder anderen Änderung was werden. Stoff passt nicht ins Programm. Stoff könnte ins Programm passen. Und so weiter.

Du hast brav umgesetzt, was du über das Verfassen eines Exposés gelernt hast. Du beginnst mit der Beschreibung der handelnden Personen, ihrer Lebensumstände, Wohnorte. Du breitest die geheimsten Wünsche und Gedanken deiner Figuren aus und erklärst, wie all das mit deiner Handlung zusammenhängt.

Für einen Vielleser ist das ermüdend. Deshalb solltest du es besser machen. Du musst deinen Lektor dermaßen fesseln, dass er nach den ersten Sekunden nicht anders kann, als weiterzulesen!

Wie schaffst du das?

Trenne dich von deinem Werk.
Wie bitte, ich soll mich trennen?
Ja, das sollst du.

Tritt als Autor hinter deinem Manuskript zurück.

Präsentiere dein Projekt wie ein Influencer seine neueste Shopping-Errungenschaft

Finde als erstes den passenden Plot deiner Geschichte. Wie lautet ihr Dreh- und Angelpunkt?

Mit diesem Plot dann – und mit nichts anderem – startest du dein Exposé:

Ben und Sophie feiern ihre Silberhochzeit. Die Gäste sind zahlreich erschienen, aber insgeheim verwundert, denn Ben hatte Sophie vor drei Jahren ins Gefängnis gebracht. Nur die Frau mit der Narbe auf der Stirn ist nicht überrascht.

Mit diesem Kniff weckst du das Interesse des Lektors. Im Stillen wird er sich fragen: Wie ist das möglich, eine Ehe, 25 Jahre und dann auch noch Gefängnis? Und was hat es mit dieser Frau auf sich?

Der Plot ist der Kernkonflikt deines Romans

Der Hauptspannungsbogen

Das Herzstück

Präsentiere dein Herzstück

Und erst danach beantwortest du Punkt für Punkt die Fragen, die sich aus deinem Plot ergeben: Wer sind deine Figuren, was sind ihre Wünsche und Ideen, ihre Motive und wohin führt das Ganze. Lass nichts Wesentliches aus und vermeide gleichzeitig alles Unwesentliche.

Je kürzer dein Exposé ist, desto höher sind die Chancen, dass der Lektor es bis zum Ende durchliest. Schreib deinen Entwurf in zwei, drei Fassungen und lege ihn für 48 Stunden in die Schublade.

Kannst du am übernächsten Tag noch ein Wort streichen? Nein?

Glückwunsch. Jetzt ist es perfekt.

Wenn alles gut gegangen ist, triffst du deinen Plot in Zukunft häufiger: In Presseinfo, Verlagsvorschau, Klappentext und im Internet. Es lohnt sich also!

Tipps für ein Sachbuchexposé findest du hier.


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Illustration www_slon_pics Pixabay

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