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Truestorys schreiben

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Truestorys schreiben ist Schreiben in einer Nische, in der du als Autor Erfahrungen sammeln und einiges lernen kannst. Sie sind weder gut noch schlecht für dein Image, sondern folgen den Regeln ihres Genres. In diesem Beitrag erfährst du, wie Truestorys funktionieren.

Was ist eine Truestory

Eine Truestorys ist eine Geschichte, die so nah an der Wirklichkeit erzählt ist, dass sie „wahrhaftig“ wirkt. Dennoch ist sie frei erfunden. Vorläufer der Truestory war der

Kummerkasten der Illustrierten („Fragen Sie Frau Barbara“). So echt diese Leserbriefe mitunter auch wirkten – sie entstammten allein der Phantasie der Redakteure. Kein Magazin mochte darauf verzichten, denn die Lebens- und Leserberatung gehörte zu den beliebtesten Rubriken im Ressort Unterhaltung. Heute erlebt der gute alte Kummerkasten eine Renaissance in neuer Verpackung: Als „Wahre Geschichte“ oder Truestory.

Zur Einführung der Truestorys kamen ethische Fragen auf. Ist es moralisch vertretbar, erfundene Storys als wahre Geschichten zu verkaufen? Die Leser gaben ihre Anwort an der Kiosk-Kasse: Die Hefte fanden reissenden Absatz.

Das Phänomen der Truestory kannst du mit scripted reality Formaten im Fernsehen vergleichen: Die meisten Zuschauer wissen, dass ihnen eine nur scheinbar authentische Geschichte aufgetischt wird. Und dennoch geht eine Faszination davon aus, die sich in zig gedrehten Folgen niederschlägt. Deshalb ist es wenig überraschend, dass Aufbau und Handlung von Truestory und Scripted-TV-Formaten sehr ähnlich sind: Am Anfang steht ein Problem, dass die Erzählfigur im Lauf der Geschichte lösen wird. Das Ganze wird gefühlvoll verpackt und erhebt keinen höheren Anspruch als den eines unterhaltsamen Ratgebers.

Eine Truestory ist weder Kurzgeschichte noch Roman – obwohl sie Elemente aus beiden Genres enthält. Am ehesten kannst du sie mit einem Tagebuch, dessen Aufzeichnungen mit Dialogen angereichert wurden, vergleichen. Nicht ohne Grund heisst eine der unten abgebildeten Zeitschriften „Mein geheimes Tagebuch.“

Truestorys werden fast ausschliesslich aus weiblicher Sicht erzählt. Die Durchschnittsleserin ist 30 Jahre und älter, deshalb sollte auch die Erzählstimme der Generation 30-40plus angehören. Nach oben ist die Altersgrenze offen. Die Truestory ist die Geschichte der Frau von nebenan. Ein Erlebnis, dass sie sprachlich schlicht, aber authentisch erzählt.

Wahre Geschichten – Eine Coverauswahl

Truestorys: Der Aufbau

Der Aufbau einer Truestory erfolgt nach den immer gleichen Regeln, die du einhalten solltest, damit dein Manuskript vom Lektorat des Magazins akzeptiert wird.

Der Teaser am Anfang reisst das Thema in vier oder fünf Sätzen an, ohne dabei zuviel vom Inhalt zu verraten. Er zieht die Leserin in die Geschichte, die unmittelbar und mit nur wenig Ausschmückungen beginnt.

Im Mittelteil folgen Informationen, die jedoch ebenfalls auf das Wesentliche beschränkt bleiben: Die Erzählerin stellt sich vor. Wo und wie lebt sie. Wie ist ihre Situation, wie die Stimmungslage? Welches Problem, welcher Konflikt plagt die Figur. Was macht das mit ihr, welchen Einfluss hat es auf ihr Alltagsleben, auf Familie und Partnerschaft.
Nachdem dieses „Setting“ für die Leserin bereitet ist, spitzt sich das Problem zu. Die Figur gerät in eine aussichtslose Lage wenn – ja, wenn dann nicht doch noch ein Funken Hoffnung bestünde.

Der Höhepunkt markiert gleichzeitig die Auflösung und das Ende der Geschichte. Die Figur wird aktiv. Sie nimmt die Sache in die Hand, zeigt Mut und Courage, gesteht, wenn nötig, auch eigene Fehler ein. Am Ende winken Strafe (Der Heiratsschwindler muss ins Gefängnis) und Lohn (Die Erzählerin hat ihre Lektion gelernt). Damit ist das Problem gelöst und ab jetzt gilt es, den Blick nach vorn zu richten. Ein Happy End, mit dem die Leserin zufrieden ist.

Wahre Geschichten: Manuskript und Honorar

Dein Manuskript für eine Truestory sollte bei 18.000 Zeichen beginnen und kann bis etwa 22.000 Zeichen inklusive Leerzeichen umfassen. Zum Vergleich: Das sind etwa 10% des Umfangs eines Heftromans.
Für eine Geschichte von ca. 18.- 22.000 Zeichen zahlen die Verlage unabhängig von Textlänge oder Autorenname ein Pauschalhonorar von 200 Euro.

Truestorys: Die Vermarktung

Auch bei der Trustory kannst du – genau wie beim Buch schreiben – zwei Wege gehen, um an einen Verlagsvertrag zu kommen.

Bei der Direktvermarktung schreibst du die Verlage selbst an. Der Kelter Verlag ist mit ungefähr 18 Zeitschriftentiteln Marktführer in Deutschland. Der Pabel Verlag hat noch zwei Objekte am Markt, die er zurzeit zwar ausschließlich mit Nachdrucken bestückt, das kann sich jedoch auch wieder ändern.

Beim Weg über eine Agentur profitierst du von deren Titelkenntnis (z.B.: Welches Manuskript passt am besten zu welcher Zeitschrift?) und erhältst am Anfang den ein- oder anderen Ratschlag, wie du deine Geschichte besser plotten kannst, damit sie angekauft wird. HML-Media beispielsweise bietet dir einen Vermittlungsvertrag an, sobald ein Verlag dein Manuskript angenommen hat.

Fazit

Truestorys sind eine gute Autorenschule. Du lernst das Schreiben von Dialogen und beschäftigst dich mit der Charakter- und Figurenentwicklung. Mit „wahren Geschichten“ trainierst du deinen Stil und wirst besser darin, straff und zielgerichtet auf den Punkt zu schreiben. Du lernst, Emotionen zu vermitteln und dabei authentisch zu bleiben.
Truestorys sind eine ideale Spielwiese für erste literarische Gehversuche.

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