Schnellkurs Food-Fotografie für Kochbuch-Autoren

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Wer ein eigenes Kochbuch schreibt, muss seine gesammelten Rezepte auch optisch in Szene setzen. Doch wie gelingt das in den eigenen vier Wänden? Der Schnellkurs Food-Fotografie zeigt dir in sieben Schritten, wie Anfänger mit einfachen Mitteln ein optimales Foto-Ergebnis erzielen können.

1.Kamera und Stativ

Die mit Abstand am häufigsten gestellte Frage ist die, ob man eine teure Kamera braucht, wenn man Gerichte professionell fotografieren möchte. Die Antwort hängt von verschiedenen Faktoren ab.

  • Worum geht es beim Inhalt des Buchs
  • Was ist die Zielgruppe
  • Wer oder was sind die Mitbewerber
  • Was möchte man mit dem Buch erreichen

Smartphone

Um Rezepte zu fotografieren, reicht zu Anfang ein modernes Smartphone. Die Bildauflösung der neueren Modelle ist so weit vorangeschritten, dass brauchbare Ergebnisse damit erzielt werden. Auch hier geht es darum, was mit den Bildern erreicht werden soll. Um eigene Erfahrungen zu sammeln, für Layoutentwürfe oder Probeseiten reicht ein Smartphone allemal aus. Und der große Vorteil beim Smartphone ist – jeder hat eins.

Wer es schafft, ein Buchmanuskript allein durch die Originalität seiner Rezepte an einen Verlag zu verkaufen, braucht sich um professionelle Fotos keine Gedanken zu machen. Demo-Aufnahmen mit dem Smartphone reichen dann aus. Wenn ein Manuskript akzeptiert wurde, werden die Gerichte in der Verlags-Versuchsküche nachgekocht und von Spezialisten oder Foto-Dienstleistern eigens in Szene gesetzt.

Kamera

Wer professioneller einsteigen möchte, greift gleich zu einer Spiegelreflexkamera. Moderne Kameras mit passendem Objektiv bieten unzählige Möglichkeiten, Food-Erlebnisse noch plastischer wirken zu lassen. Sie erleichtern das Fotografieren, indem sie den Fotografen zusätzlich bei seiner Regiearbeit unterstützen.

Hilfreiche Features speziell für Hobbyköche sind beispielsweise

  • Klappdisplay (für Aufnahmen von oben)
  • Auslöser auf dem Touchscreen (für Freihand- und Nahaufnahmen)
  • Fernauslöser (für schnellen Wechsel zwischen Arrangement und Aufnahme)

Gute Modelle für Einsteiger sind beispielsweise die Nikon D3500 oder die Canon EOS 2000D.

Stativ

Am Anfang dient ein Stuhl, eine Leiter oder aufeinander gestapelte Kisten als Stativ.
Damit lässt sich – in Verbindung mit einer ruhigen Hand – schon einiges erreichen.

Früher oder später wird vielleicht der Wunsch nach einem Stativ aufkommen. (Besonders dann, wenn mit dem Smartphone fotografiert wird). Während das freie Stehen auf der Haushaltsleiter doch eine eher wacklige Angelegenheit ist, sind flexible Höhen mit einem Stativ exakt und vor allem schnell einstellbar.

Ein Stativ ist durch seine geringen Anschaffungskosten auch für Low-Budget Projekte erschwinglich. Brauchbare Modelle findet man schon für wenig Geld, beispielsweise das Anozer für Smartphone bzw. Handy oder das Cullmann Alpha 2800 für die Kamera.

2.Studio

Ein Studio oder besser gesagt ein fester Platz zum Fotografieren lässt sich mit einfachen Mitteln in jedem Haus und fast jeder Wohnung einrichten.

Am besten geeignet ist ein Raum mit einem großen Fenster. Fenster geben natürliches Licht von außen, besonders am Vor- oder Nachmittag ist es angenehm weich. Direktes Sonnenlicht wiederum sollte vermieden werden, da sonst starke Schatten entstehen.

Wer unabhängig vom Fensterlicht arbeiten möchte, kann sich alternativ ein Licht-Set mit Tageslichtlampen einrichten. Einsteigermodelle, wie die Raleno LED Videoleuchte, sind schon für unter 60 Euro zu haben.

Das eigentliche Kernelement im Studio ist ein kleiner Tisch, auf dem man den Untergrund für seine Aufnahmen platzieren kann.

Untergrund

Als Untergrund eignet sich alles, was flach aufliegt und unterschiedliche Farben und Strukturen aufweist.

  • Holzbrett
  • Schiefertafel
  • Regalbrett (ggf. aus einem Schrank)
  • große Fliese
  • Spanplatte (lackiert)
  • Tischdecke
  • Fototapete

Hintergrund

Fototapeten sind auch als Hintergrund gut geeignet. Bewährt haben sich abwaschbare Tapeten, damit man nicht ständig neue kaufen muss.
Für den Einsatz als Hintergrund werden sie mit einer Klemme an einem dünnen Brett oder einer Styroporplatte angebracht. Dafür gibt es Klemmen mit beweglichen Armen. Ein Ende des Klemmarms wird am Tisch befestigt, mit dem anderen Ende wird die Platte gehalten und in einem beliebigen Winkel ausgerichtet.

3.Requisiten

Wer auf dem Flohmarkt in älteren Kochbüchern blättert wird feststellen, dass noch bis vor wenigen Jahren die komplett abgebildete Mahlzeit das Maß aller Dinge war. Inzwischen haben die Sehgewohnheiten sich verändert. In der modernen Lebensmittelfotografie wird deshalb mit einer Kombination aus Gericht und Requisite gearbeitet. Inhaltlich und farblich passende Accessoires sorgen für stimmige Arrangements. Mit der Kombination aus Speise und Requisite »passiert« etwas auf dem Bild und die visuelle Spannung wird erhöht.

Bei der Accessoire-Auswahl gibt es unzählige Möglichkeiten, sodass sich jeder kreativ austoben kann.

  • Schneidebrett
  • Stoffservietten
  • Stoffreste
  • Besteck
  • alte Schüsseln
  • Teller
  • diverse Gläschen
  • Blumen
  • Topfpflanzen

Mit der Zeit wächst so ein eigener Vorrat an sogenannten »Foodprops« an. Gute Anlaufstellen für altes Geschirr sind unter anderem Haushaltsauflösungen oder Flohmärkte.

4.Zutaten

Über frische Zutaten muss man nicht viele Worte verlieren, denn Hobbyköche sind Menschen, die per se gern und frisch kochen. Natürliche Zutaten sind nicht nur für die eigene Gesundheit essenziell, sondern auch für gute Fotos.

Am besten kauft man frisches Obst und Gemüse vom Bauern- oder Wochenmarkt. Auch frische Kräuter sind ideal, um ein Gericht in Szene zu setzen. Die beste Bezugsquelle für Kräuter ist der eigene Garten, Balkon oder die Fensterbank.

Ein Bio-Brot, dessen Scheiben vielleicht noch angeröstet wurden, strahlt über das Foto hinaus noch rustikalen Duft und Frische aus.

Zutaten als Requisiten

Gut sieht es aus, wenn ein Foto neben dem Gesamtergebnis noch eine einzelne Zutat zeigt. Das können beispielsweise Tomaten, Zwiebeln, Gewürze oder Kräuter sein.

Wer diese Technik verwendet, um Lebensmittel zu fotografieren, sollte beim Aufschneiden darauf achten, scharfe Messer zu verwenden. Stumpfe Messer lassen Druckstellen entstehen, die im späteren Bild störend wirken.

Besonders frisch erscheint Gemüse, wenn mit einer Sprühflasche ein paar feine Wassertropfen darauf platziert werden. Bei Gurken oder Tomaten beispielsweise erzielt man damit sehr gute Effekte.

5.Farbwahl

Die Farben von Untergrund, Hintergrund, Requisiten, Gerichten und Zutaten sollten zueinander passen. Auch Komplementärfarben (das sind Farben mit einem auffälligen Kontrast zueinander) sind für ein Food-Arrangement gut geeignet. Farbkreise sind ein gutes Hilfsmittel, um harmonierende Farben zu erkennen.

6.Styling

Nachdem das Setting vorbereitet ist, beginnt das Styling. Im Styling findest du heraus, welches Arrangement und welche Kombi auf einem Foto am besten aussieht. Jetzt kannst du deiner Kreativität bei Kameraperspektive, Ausleuchtung und Arrangements freien Lauf lassen. Die folgenden Beispiele zeigen, wie das in der Praxis aussehen könnte.

Food-Motiv von oben fotografieren

Um die Vogelperspektive einnehmen und ein Bild von oben machen zu können, brauchst du eine Leiter, einen Stuhl oder was auch immer dich größer macht. (In der Fachsprache wird die Perspektive flatlay genannt). Mit diesem nicht alltäglichen Blickwinkel wird das Gericht in seiner Gesamtheit aufgenommen.

Bei der Vogelperspektive spielt eine Kamera mit Klappdisplay ihren Vorteil aus. Bei diesem Modell-Typ ist der Objektiv-Fokus nach unten gerichtet, trotzdem behältst du das Display vor Augen, sodass du den Kopf nicht verrenken musst.

Food-Motiv mit Blume oder Pflanze auflockern

Sehr gute Effekte erzielt man auch, indem eine Blumenvase oder Pflanze vor das Gericht gestellt wird. Der Trick besteht darin, die Pflanze auf unscharf zu setzen und das Gericht durch die Pflanze (Zweige, Blätter, Blüten) hindurch zu fotografieren.

Wenn man sehr nah ans Motiv geht, ist ein Touchscreen- oder Fernauslöser super hilfreich. Damit kann eine Hand frei bleiben und beispielsweise noch letzte Feinheiten umdekorieren.

Food-Motiv frontal aufnehmen

Eine Frontalaufnahme zeigt das Motiv aus der Sicht eines Tischgastes. Die Kameraposition ist dabei ungefähr auf Höhe der Stuhllehne. Wer mit freihändigen Aufnahmen Schwierigkeiten hat, kann eine Haushaltsleiter zum Stativ umfunktionieren. Ein richtiges Stativ ist natürlich bequemer, weil Höhe und Aufnahme-Winkel damit im Nu verändert werden können.

Food-Motiv ausleuchten

Es lohnt sich, mit Lichtveränderung zu experimentieren und das gleiche Motiv unterschiedlich ausleuchtet zu fotografieren.

Eine schnelle Motiv-Verdunkelung erreichst du mit einer Jalousie, mit schwarzer Pappe oder einem Reflektor.

Für das Aufhellen von Schatten sind Styropor-Reste oder günstige Styropor-Platten aus dem Baumarkt gut geeignet. Oder du setzt die helle Seite eines Reflektors ein.

Allgemeine Tipps für bessere Food-Fotos

  • Viele Anfängerfotos werden zu weit weg vom Motiv geschossen. Gehe deshalb näher ran.
  • Schneide Ränder bewusst ab. So wird das Bild kompakter und interessanter für Betrachter.
  • Benutze kein Licht von vorne, wie beispielsweise vom eingebauten Blitz.
  • Benutze stattdessen Streiflicht oder Gegenlicht (Licht von der Seite oder von hinten).
    Das macht die Inszenierung dramatischer und auch spannender.

7.Foto-Ideen für das eigene Kochbuch

Ein Kochbuch kann die schönsten Fotos der Welt in sich vereinen, wenn aber immer die gleichen Motive zu sehen sind, ist es nur halb so gut gelungen. Wer seine Rezepte im eigenen Studio fotografiert, sieht manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht. Da ist Kreativität gefragt und neue Ideen und überraschende Arrangements müssen her.

Wo findet man Ideen für Food-Fotos?

Die besten Anregungen holt man sich aus Kochzeitschriften oder aus anderen Kochbüchern. Dabei geht nicht um das Abkupfern von Inhalten, sondern um Ideen als solche. Gerade das gezielt unperfekte Arrangement, von dem viele Fotos ein Stück weit leben, kann man von Profiaufnahmen lernen, indem man sie intensiv studiert.

Beispielsweise ist ein maskulines Setting relativ einfach realisiert. Fleisch, Feuer und Kohle – damit ist die Basis gelegt und es kann fast nichts mehr schiefgehen. Bei einem veganen Kochbuch sieht das schon wieder anders aus. Seitan und Tofu-Blöcke appetitlich zu fotografieren, stellt für manch einen vielleicht eine größere Herausforderung dar.

Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, findet eine Fülle an Tipps in dem Buch Foodfotografie: Ansprechende Foodfotos ohne Spezialausrüstung.

Zusammenfassung

Food-Fotos lassen sich gut in den eigenen vier Wänden erstellen. Zumindest am Anfang braucht man dazu keine besondere Ausrüstung. Food-Fotos sind dann gelungen, wenn sie Lust machen, Neugierde wecken und Leser dazu animieren, ein Gericht nachzukochen.

Lektorat für Kochbuch-Autoren

Kaum ein Kochbuch kommt ohne Fotos aus, aber kein Kochbuch ohne Text. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie aus einer Rezepte-Sammlung ein perfekter Kochbuch-Text entsteht, ist herzlich zum Lektorat für Kochbuch-Autoren eingeladen.

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