Pseudoverlage erkennen und meiden

Erst kürzlich berichtete eine Autorin auf der Leipziger Buchmesse, dass sie knapp 20.000 Euro für ihr eigenes Buch an einen Pseudoverlag gezahlt hatte. Nur wenig später sei ihr klar geworden, dass sie das Geld genauso gut hätte verbrennen können.

Das Phänomen und seine Folgen erinnern an den »Enkeltrick«. Obwohl ständig und überall vor Pseudoverlagen gewarnt wird, fallen immer noch Leute darauf herein.

Im Internet-Zeitalter sollte man das kaum noch für möglich halten, denn heute kann sich jeder den Wunsch nach dem eigenen Buch mit nur wenigen Klicks erfüllen. Unseriöse Verlage sollten in diesem Szenario eigentlich gar nicht mehr existieren. Die Wahrheit sieht leider anders aus.

Autoren, die Verträge bei schwarzen Schafen der Branche unterzeichnet haben, sind verzweifelt und hoffen, aus diesen Verträgen wieder herauskommen.

In diesem Beitrag geht es darum, wie man Pseudoverlage

  • erkennt und meidet
    und
  • was Autoren tun können, wenn sie einem Pseudoverlag auf den Leim gegangen sind

Nützliches für Autoren

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Was sind Pseudoverlage

Ein Pseudoverlag stellt dem Autor alle Kosten für die Veröffentlichung eines Buchs in Rechnung. Obwohl als Gegenleistung die Tätigkeit eines »normalen« Verlags suggeriert wird, sind die Bücher praktisch »unsichtbar« und faktisch nie im Buchhandel vorrätig.

Synonyme für Pseudoverlag

Manche Pseudoverlage nennen sich »Druckkostenzuschuss-« oder »Zuschuss-Verlag« (abgekürzt als »DKZV«).

Umgangssprachlich werden Pseudoverlage mitunter auch als »Bezahl-Verlag« bezeichnet. Der Begriff drückt aus, dass der Autor für eine Leistung bezahlen muss.

Auch der Begriff »Selbstkosten-Verlag« taucht im Zusammenhang mit Pseudoverlagen auf.

Weniger gebräuchlich ist die englischsprachige Bezeichnung »Vanity Press«, auf Deutsch »Eitelkeitsverlag«.

Unterschiede zum seriösen Verlag

Zuschuss-Verlage begründen die anfallenden Kosten häufig mit dem Unternehmerrisiko, das bei einem unbekannten Autor besonders hoch sei.

Ein seriöser Verlag trägt dieses Risiko allein. Aus eigenem Interesse stellt er sicher, dass die Veröffentlichung qualitativ hochwertig und verkaufsfähig ist.

Bei einem Pseudoverlag ist dieser Anreiz nicht gegeben, da das wirtschaftliche Risiko allein von seinen Autoren getragen wird.

Unterschiede zu Druck-Dienstleistern und Print-on-Demand

Nicht jedes Unternehmen, das für den Druck von Büchern Geld verlangt, ist automatisch ein »schwarzes Schaf«. Seriöse Dienstleister erkennt man daran, dass sie von vornherein offenlegen, dass sie Geld für den Druck von Büchern verlangen.

Idealerweise werden die verschiedenen Preisangebote auf der Website transparent gemacht. Im Gegensatz zu den schwarzen Schafen unter den DKZV werden faire Preise für den Druck der Bücher verlangt und diese auch tatsächlich in voller Höhe an den Autor ausgeliefert. Der Autor bestellt und bezahlt beispielsweise für 200 Bücher und die bekommt er auch geliefert. Um die Lagerhaltung kümmert sich der Autor selbst.

Druck-Dienstleister, die mit transparenten und fairen Preisen arbeiten, können für Kleinauflagen durchaus eine Alternative sein. Sinnvoll ist das beispielsweise bei Doktorarbeiten oder einem regionalen Projekt wie Familien- oder Vereinshistorie. In jedem Fall sollte der Autor vorher eine gründliche Preiskalkulation durchführen.

Unterschied zum Selfpublishing

Selbstverleger gab es zu allen Zeiten. Neu hinzugekommen sind nur die Möglichkeiten, Bücher über das Internet zu kreieren und zu verkaufen.

Beim Selfpublishing übernimmt der Autor sämtliche Kosten. Auch die Verlagsarbeit von Lektorat bis Vertrieb liegt in seiner Hand.

Beim Selfpublishing ist der Autor sein eigener Verleger, der auch das unternehmerische Risiko trägt. Als »Lohn« erhält er später den vollständigen Verkaufserlös und behält seine Rechte.

Anzeichen für einen Pseudoverlag

Wer sich vor Abzocke schützen möchte, sollte wissen, wie man Bezahl-Verlage erkennt.
Bei den folgenden Anzeichen sollte man hellhörig werden.

1. Ansprache

Kunden eines seriösen Verlags sind die Leser am Markt. Ein seriöser Verlag produziert für seine Leser und spricht diese Zielgruppe in seiner Werbung an.

Die Kunden eines Eitelkeitsverlags sind Autoren. Der Eitelkeitsverlag zielt mit seiner Werbung auf Menschen, die sich nach einer Buchveröffentlichung sehnen.

Die Ansprache von Pseudoverlagen folgt fast immer dem gleichen Muster.

  • »Verlag sucht Autoren«
  • »Autoren gesucht«
  • »Möchten Sie Ihr Buch veröffentlichen?«

Seriöse Verlage haben diese Ansprache nicht nötig. Auch ohne nach Autoren zu suchen, können sie sich vor eingesandten Manuskripten kaum retten.

2. Irreführung mit wohlklingendem Namen

Pseudoverlage arbeiten häufig mit wohlklingenden Namen und Bezeichnungen. Auffallend und gleichzeitig irreführend ist die Ähnlichkeit zu renommierten und seriösen Verlagen und Institutionen.

Zur täuschenden Namenswahl von Druckkostenzuschuss- und Pseudoverlagen bemerkt das OLG Köln:

»Um so potenzielle Autoren zu täuschen.«

(vgl. OLG Köln, 16.12.2008, Az. 15 U 116/08).

DKZV benennen sich etwa nach Goethe, Hölderlin oder tragen eine stilisierte Eule im Logo (ähnlich der Ullstein-Eule). Damit soll der Eindruck von Seriosität vermittelt werden. Unerfahrene Autoren mit dem Wunsch nach einem traditionellen Verlag erkennen diese Irreführung oft nicht.

3. Selbstbezeichnung als »Verlag«

Pseudoverlage schmücken sich nicht nur mit schönen Namen. Auch die Bezeichnung als »Verlag« ist Teil der Inszenierung.

Der Begriff »Verlag« kommt jedoch von »Vorlegen«. Ein seriöser Verlag legt Geld für seinen Autor vor und trägt das unternehmerische Risiko. Genau das tun Pseudoverlage aber nicht. Sie kehren das Verlagsprinzip um und verhalten sich damit unlauter. Bezahl-Verlage sind allenfalls eine Druckerei oder ein Druckerei-Vermittler, aber kein Verlag.

4. Lob in höchsten Tönen

Auch überschwängliches Lob gehört zur DKZV-Strategie, um angehende Autoren zu ködern.

Sendet man sein Manuskript an einen Pseudoverlag, erhält man bereits nach wenigen Tagen eine Antwort. Und die hat es in sich, denn die Stellungnahme lobt das eigene Talent in den höchsten Tönen!

In Wirklichkeit ist den meisten Pseudoverlagen die Qualität der eingesandten Manuskripte vollkommen egal. Die Texte werden kaum gelesen, Lobeshymnen bestehen aus Standardfloskeln.

Um über diese Geschäftspraktiken aufzuklären, wurden in der Vergangenheit extrem schlechte oder sinnlose Texte an Pseudoverlage gesendet. Nur wenig überraschend, wurden auch diese gelobt und zur Veröffentlichung empfohlen.

Bezahl-Verlage: Die schönsten Seiten des Schwachsinns (Der Spiegel, 27.08.2009)

Ein weiterer Trick von Zuschuss-Verlagen ist es, hier und da einzustreuen, dass unbekannte Autoren bei den großen Verlagen keine Chance hätten. Stattdessen wolle man als Bezahl-Verlag gezielt Nachwuchstalente fördern und ihnen »eine Chance« geben.

5. Unrealistische Auflagen und Absatzprognosen

Pseudoverlage-Verlage rechnen Autoren gern vor, wie viele Bücher sie »nur« verkaufen müssten, um die vorgelegten Kosten zu decken. Wohlgemerkt handelt es sich bei Kosten um bis zu fünfstellige Beträge.

Dabei wird verschwiegen, dass es ohne Werbemaßnahmen und ohne Platzierung im Buchhandel sehr schwer ist, zufriedenstellende Stückzahlen abzusetzen. Die Folge davon ist, dass Autoren schlicht auf ihren Kosten sitzen bleiben.

Obwohl der Autor den Druck selbst bezahlt hat, gehen die Bücher nicht immer »automatisch« in sein Eigentum über. Je nach Vertrag bleiben sie auch im Besitz des Verlags. Will der Autor direkt an Leser verkaufen, muss er sie zuvor vom Verlag zurückkaufen. Er wird also doppelt zur Kasse gebeten.

Es existieren Fälle, in denen 100 Bücher gedruckt, den Autoren jedoch über 1.000 Exemplare in Rechnung gestellt wurden. Die restlichen 900 Exemplare werden realistischerweise nie das Licht der Welt erblicken, denn selbst »nur 100 Bücher« zu verkaufen, kann in der Realität bereits eine unüberwindbare Hürde darstellen.

6. Verkauf von Zusatzleistungen

Einige Bezahl-Verlage sind sehr erfinderisch und arbeiten mit verdeckten Druckkostenzuschüssen, etwa durch eine Mindestabnahmemenge von Büchern.

Auch die Buchungspflicht von kostenpflichtigen Angeboten ist ein beliebtes Mittel, um Autoren abzuschöpfen.

Leistungen, die darunter fallen, können unter anderem sein:

  • die Pflicht zur Erstellung einer Autorenwebsite
  • die Pflicht zur Bestellung von Werbematerial (Flyer, usw.)
  • ein Autorenfoto mit Pflicht zur Übernahme von »Rasterkosten«

Imagefilm der Frankfurter Verlagsgruppe

Pseudoverlage insolvent

Einige Pseudoverlage sind in den letzten Jahren in die Insolvenz gegangen, wie beispielsweise der »Wagner-Verlag« aus Gelnhausen oder eine sogenannte Literaturgesellschaft aus Berlin, die inzwischen jedoch in neuer Gesellschaftsform weitermacht.

Gründe dafür sind auf der einen Seite im Selfpublishing zu sehen, auf der anderen wurde die Öffentlichkeit in den letzten Jahren einfach besser über das Geschäftsmodell von Zuschuss-Verlagen informiert.

Dennoch tummeln sich im deutschsprachigen Raum immer noch rund zwei Dutzend Pseudoverlage, sodass Autoren bis heute Opfer dieser Bauernfängerei werden.

Letztendlich sind der Gesetzgeber und die »Gesellschaft gegen den unlauteren Wettbewerb« gefordert, wirksam dagegen vorzugehen, dass DKZV den Begriff »Verlag« als Namensbestandteil zu führen.

Ausstieg mit Hindernissen

Ob seriöser Verlag oder nicht – Autoren beschleicht zuweilen das Gefühl, dass ihr Verlag »nichts« oder zu wenig für ihr Buch tut. Das ist verständlich, denn abgesehen von Bestsellerautoren wünscht sich jeder einen guten Verkauf seiner Bücher.

Aus einem bestehenden Verlagsvertrag herauszukommen, ist selbst für Autoren seriöser Verlage schwer.

Umso mehr gilt das für Verträge mit Pseudoverlagen. Zivilgerichte tun sich noch immer schwer damit, Verträge von Zuschuss-Verlagen als »sittenwidrig« und damit für nichtig zu erklären. Sie argumentieren, dass es in der Marktwirtschaft jedem frei stehe, für eine Leistung, die ihr Geld nicht wert ist, Unsummen zu investieren.

Verträge mit Pseudoverlagen rückgängig zu machen, gelang bisher nur in Ausnahmefällen. Vereinzelt ist es Anwälten gelungen, Autoren aus solchen Verträgen wieder herauszubekommen.

Um Chancen oder Nicht-Chancen einer Anfechtung auszuloten, bedarf es einer konkreten anwaltlichen Prüfung.

Die andere Seite der Medaille ist, dass die Beauftragung eines Rechtsbeistands erneut mit Kosten für den Autor verbunden ist. Dabei ist der Ausgang eines Verfahrens keineswegs sicher, denn Verträge von Zuschuss-Verlagen sind meist derart klauselhaft formuliert, dass sie letztlich kaum anfechtbar sind.

Es ist nicht nur das viele Geld und die Demütigung, die für Autoren damit einhergeht. Die Veröffentlichung in einem Pseudoverlag kommt in vielen Fällen auch einem literarischen Selbstmord gleich, denn der Name des Autors ist für einen seriösen Verlag »verbrannt«.

Fazit

Gerade Debüt-Autoren wissen oft nicht, dass Verlagsleistungen den Autor nichts kosten. Im Gegenteil, unerfahrene Autoren nehmen es als gegeben hin, für eine Verlagsleistung bezahlen zu müssen.

Ironischerweise hat das Selfpublising diesen Irrglauben noch verstärkt. Das Wissen darum, dass für einzelne Leistungen gezahlt werden muss, hat zur gedanklichen Verkürzung geführt, dass es normal sei, Geld für eine Verlagsveröffentlichung auszugeben.

Wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, ist es meist zu spät und die Einschaltung eines Rechtsbeistands verursacht zusätzliche Kosten. Der Ausgang eines gerichtlichen Verfahrens ist ungewiss.

Autoren sollten sehr genau auf Anzeichen für einen Pseudoverlag achten und lieber dreimal nachdenken, bevor sie ihre Unterschrift unter einen Verlagsvertrag setzen.

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Lesetipps

Mit Herzblut in den Ruin (Der Spiegel)
Aktionsbündnis faire Verlage
Nein zu Druckkostenzuschuss-Verlagen/Pseudoverlagen

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»Normalerweise brennt man, wenn man sich dem 50. Geburtstag nähert, mit einer kubanischen Tänzerin durch. Einen Roman zu schreiben, war weniger kostspielig.«

(Umberto Eco über Der Name der Rose)

2 Gedanken zu „Pseudoverlage erkennen und meiden“

  1. Ich bin richtig schockiert, dass es solche Praktiken gibt!! Mein größter Traum war es schon immer, ein Buch zu veröffentlichen. Jetzt bin ich froh, dass ich nach ein paar Absagen seriöser Verlage nicht auf solche Angebote reingefallen bin.

    Gibt es Tipps, wie ich tatsächlich seriöse Anbieter für Selfpublishing finde bzw. wie ich mein Buch am besten aufarbeite?

    Viele Grüße aus Stuttgart,
    Hanna Berg

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Lektorat mittelrhein-text

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