Erotische Geschichten: Wie du mit Leidenschaft Autor wirst

Erotische Geschichten: Wie du mit Leidenschaft Autor wirst

Du hast erotische Geschichten verfasst, die seit gefühlt 20 Jahren in deiner digitalen Schublade verstauben. Du möchtest sinnliche Texte schreiben. Und zwar bessere als die, die du im Netz gratis lesen kannst. Die gute Nachricht: Erotische Geschichten sind in. Es ist eine Nische, aber mit konstanter Nachfrage – trotz allseits bekannter Videoportale. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du mit Leidenschaft Autor wirst. Und wie du ein Buch schreiben und an deine Leser und Leserinnen bringen kannst.

Erotik-Geschichten: Boom dank Ebook

Kennst du den Begriff Schwellenangst? Er bezeichnet die Angst oder Unsicherheit eines Kunden, einen Laden zu betreten. (Tatsächlich, so etwas gibt es.)

Stell dir vor, ein Kunde betritt einen Buchladen. Er schaut sich um, greift hier und da nach einem Buch. Aber er findet nicht das, was ihn interessiert. Irgendwann eilt die junge Azubine herbei und bietet ihm an, zu bestellen, was immer sein Herz begehrt.

Unser Kunde packt seinen Notizzettel aus, druckst ein bisschen herum und nennt ihr dann zwei, drei Romantitel. Die Azubine tippt die Angaben in die Warenwirtschaft und plong poppen die Buchcover auf. Es sind erotische Romane. Eindeutig. Und das gibt in aller Regel… Blicke. Je nach Lesegeschmack auch mehr Blicke. Und wenn unser Kunde seine Bücher ein, zwei Tage später in der Buchhandlung abholt: Das gleich nochmal.

Zeitsprung ins Heute: Dank Internet braucht ein Kunde die Prozedur nicht mehr über sich ergehen zu lassen. Er bestellt Literatur einfach Online. Es bleibt nur noch ein Problem: Gedruckte Bücher haben ein Cover. Und erotische Romane in der Regel ein ziemlich aussagekräftiges. Mehr noch: Das Cover ist Subtext des Romanthemas. Deshalb kann der Leser sein Buch nicht so ohne weiteres öffentlich in der Hand halten oder irgendwo herumliegenlassen. Oder doch?

Scott Rogowsky hat sich einen Spaß daraus gemacht: „Fake Book Covers on the Subway.“

Seit Erfindung des Ebooks gehören diese Überlegungen der Vergangenheit an. Der Kunde kann sein Buch immer und überall lesen, ohne das auffällt, welchen Inhalt er aufgerufen hat. Auf dem Weg zur Arbeit, in S- und U-Bahn, abends auf der Couch oder im Bett. Sogar am Arbeitsplatz kann er einen Reader benutzen, manchmal sogar während einer Besprechung. Und niemand kann erkennen, was er liest. Es ist ein heimlicher Zeitvertreib, der selbst wieder zum Thrill für das Lesen werden kann. Das macht das Thema Ebooks und erotische Romane so spannend für Autoren.

Dein Thema finden

Erotik-Verlage haben sich häufig auf ein bis drei Genres spezialisiert. Es gibt Verlage, die ausschließlich Ebooks zum Thema BDSM veröffentlichen. Dann gibt es reine Gay- und Lesbian-Verlage. Wieder andere veröffentlichen Erotic Romance und dann gibt es welche, die sich ganz dem romantischen Sex verschrieben haben. Die Verlage tun das, weil sie eine eng umrissene Zielgruppe mit festen Erwartungen bedienen. Nur so sind sie wirtschaftlich erfolgreich.

Wenn du erotische Bücher schreiben möchtest, solltest du dir deshalb ein Genre überlegen. Persönliche Erfahrungen sind dabei hilfreich, aber nicht zwingend. Es gibt homosexuelle Autoren, die ausgezeichnete Hetero-Geschichten schreiben. Und umgekehrt. Das Thema spiegelt nicht deinen eigenen Geschmack wider, sondern die Wünsche und Nachfrage deiner Leser. Mit Phantasie und einer guten Schreibe bedienst du diese Nachfrage.

Ein schöner Cartoon geht so: Eine Hausfrau mit Lockenwicklern und Kittelschürze. So ganz normal halt… Fast! Denn für ein paar Stunden am Nachmittag greift sie zum Telefon, schlüpft in ihre Rolle und ist der Star einer Sexhotline. Genau diese Rolle spielst du als Erzähler.

Pseudonym

Die meisten Erotik-Autoren schreiben unter einem oder mehreren Pseudonymen. Dafür gibt es gute Gründe.

Privatsphäre

Wenn du nebenher auch noch Kinderbücher schreibst oder von Nachbarn und Kollegen nicht auf deine Texte angesprochen werden möchtest, bist du mit einem Pseudonym gut beraten.

Verkaufschancen

Statistisch gesehen sind Bücher von Autorinnen gefragter. Deshalb schreiben viele männliche Autoren unter einem oder mehreren weiblichen Pseudonymen.

Inszenierung

Ein Pseudonym kann, wenn es gut gewählt ist, zu einem Romantitel oder einer Romanreihe passen. Lili Luder. Anastasia Diamond. Larah Laranda. Jasmin Hard: Das sind nur vier von tausenden Pseudonymen allein bei Amazon – und jedes davon weckt andere Assoziationen. Ein gutes Pseudonym wird zu einem Teil der Gesamtinszenierung.

Auf allen gängigen Plattformen kannst du problemlos einen fiktiven Namen als Autor angeben. Der eigentliche Verfasser – also du – ist dann nur der Plattform bekannt und kein Leser erfährt, wer in Wirklichkeit hinter deinen heissen Geschichten steckt.

Bei Amazon-Authorcentral kannst du zu einem Pseudonym sogar eine eigene Autorenseite anlegen, um die Inszenierung deiner Bücher perfekt zu machen.

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Kreatives Schreiben: Erotik

Wie du deine erotische Geschichte schreibst, bleibt dir überlassen. Wie oft du Stellen oder Szenen einbaust, unterliegt allein deinem persönlichen Geschmack.

Die Sprache, mit der du sexuelle Begegnungen schilderst, sollte zu dir, deinen Figuren und der Handlung passen. Bei aller Leidenschaft solltest du aber nie vergessen: Die wichtigste erogene Zone ist das Gehirn. Dort entscheidet sich, was uns erregt. Bei hocherotischen Vorstellungen bildet der menschliche Körper den Stoff Phenyläthylamin, durch den ein Verlangen nach Sex entsteht. Der Psychologieprofessor Ulrich Clement formuliert es so: „Sexfantasien sind oft Wünsche, die nicht realisiert werden müssen.“ Guter Sex trotz Liebe – Wege aus der verkehrsberuhigten Zone. (*)

Sex, der über die reine Triebabfuhr hinausgeht, ist mit Intimität verbunden. Intimität wiederum bedeutet, sich dem Partner gegenüber zu öffnen. Und damit, sich verletzlich zu machen. Aber gleichzeitig auch, mit der Verletzlichkeit des anderen umzugehen. Ein Thema mit einem lohnenden Konfliktpotenzial. Sexualität und Kreativität befeuern sich gegenseitig, denn alles, was wahrgenommen wird, kann antörnen. In deinem Gehirn, in dem deiner Leser und – ganz wichtig – auch im Gehirn deiner Charaktere.

Gute Szenen – schlechte Szenen

Die meisten Leser erkennen eine schlecht beschriebene Sexszene sofort. Aber zu definieren, was diese schlecht geschriebene Szene ausmacht, fällt ihnen deutlich schwerer.

Ein Merkmal ist, dass eine schlecht geschriebene Szene überhaupt nicht zum Rest des Buchs passt. Wenn ein Autor eine neue, interessante Möglichkeit finden will, um Sex zu beschreiben, stattdessen aber bei einer völlig überzogenen Bildsprache landet. Oder umgekehrt: Wenn er Erotik übermäßig intellektualisiert. Oder stylisiertes, pornografisches Vokabular benutzt.

Besser ist es, bei der Realität zu bleiben und einfach das zu beschreiben, was deine Handlung ausmacht. Schreibe anschaulich und nicht abstrakt. Die besten Anregungen bietet das Leben selbst: One-Night-Stand, Versöhnungssex, Sex in der Krise, Sex in der Affäre, Sex mit dem Ex, verbotener Sex, das erste Mal. Und so weiter.

Was deine Texte stark macht, ist nicht das „erregende” Vokabular aus Pornos, sondern umgangssprachliche Formulierungen, die etwas über den Charakter und das Umfeld deiner Figuren verraten.

Überlege, wie deine Figuren ihre eigenen und die Körperteile ihrer Mitmenschen bezeichnen würden. Ein Beispiel dafür ist „Fotze“. In einer sexuellen Situation kann es durchaus an- oder erregend sein. Benutzt deine Figur – und damit du – es jedoch in jedem zweiten Satz, erzielst du keine Wirkung mehr damit, sondern erreichst das Gegenteil. Du drückst damit deine mangelnde Wertschätzung Frauen gegenüber aus.

Eine Vagina kann wahlweise eine Muschi, Dose, Möse, Grotte oder Spalte sein. Oder Loch, Jadetor, Lotusblüte oder das Paradies. Eine Schatzkiste, ein Schneckenhaus, oder ganz einfach ein Schlitz.

Der Penis: Ist das wirklich ein Zauberstab? Oder Schwanz, Gurke, Lurch und Rammbock? Was hängt anatomisch am Mann: Ein Sack, Eier oder Glocken?

Du hast alle Freiheiten, aber im Zweifel rate ich dir zu neutralen Begriffen: Brüste, Vulva, Vagina, Penis und Hoden. Alles andere ergibt sich aus deinen Figuren und der Handlung. Mach dir das beim Schreiben deiner Stories zunutze!

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Bad Sex in Fiction Award

Der Bad Sex in Fiction Award ist so etwas wie eine Goldene Zitrone: Ein ironisch gemeinter Negativpreis, der jedes Jahr an zeitgenössische Romanautoren für die schlechteste Beschreibung einer Sexszene verliehen wird. Der Reiz bei dieser Auszeichnung ist, dass sie auch ansonsten etablierte Autoren und Bücher trifft.

Der letzte Preisträger heißt Erri De Luca. Geehrt wurde sein Buch „The Day Before Happiness.” Eine der Perlen daraus lautet: „Mein Schwanz war eine Planke, die an ihrem Bauch klebte.”

Einerseits ist der Award ein bisschen gemein, andererseits zeigt er, dass auch namhafte Schriftsteller nicht vor schlechten Formulierungen gefeit sind. Ein ziemlich guter Ansporn, findest du nicht?

Buchcover: Leidenschaft und mehr

Ein gutes Cover nimmt den Inhalt deiner Geschichte vorweg. Es zeigt dem Leser, womit er rechnen kann und animiert ihn, sich den Klappentext näher anzuschauen. Dennoch solltest du vorsichtig sein und deinen Figuren die ein oder andere Textilie gönnen. Manche Anbieter lassen nackte Haut nur ungern durchgehen und du riskierst damit, daß dein Buch gesperrt wird. Wie weit du gehen kannst, kannst du nur durch Ausprobieren feststellen. Grundsätzlich bist du auf der sicheren Seite, wenn mindestens die äußeren Geschlechtsmerkmale bedeckt sind.

Persönlich favorisiere ich eine zurückhaltende Bildsprache. Dabei wird das Thema auf dem Buchcover nur angedeutet. Bei einem BDSM-Roman beispielsweise durch Handschellen oder eine Gerte in der Hand einer Figur. Da braucht es fast keine nackte Haut mehr und der Leser weiß trotzdem, woran er ist.

Wie und wo deine Erotik-Geschichte verkauft wird

Bei Amazon wird dein erotischer Roman leider nie in der allgemeinen Bestenliste auftauchen. Es sei denn, du schreibst das neue Shades of Grey. Falls es sich bei deinem Buch um einen Liebesroman mit erotischen Szenen handelt, kannst du versuchen, es in der Rubrik Liebesromane unterzubringen. Achte jedoch darauf, dass dein Text nicht „Ü18“ ist.

„Ü18“-Bücher führen ein Amazon-Schattendasein und sind in ihrer Sichtbarkeit mehr oder weniger stark eingeschränkt. Potenzielle Käufer müssen explizit die Erotik-Rubrik aufrufen, um neuen Lesestoff zu finden. Aus Jugendschutzgründen werden Bücher aus dieser Rubrik in der allgemeinen Suche nicht angezeigt. Bei Amazon gibt es auch keine Vorschau und keinen allgemeinen Bestsellerrang für das Genre erotische Literatur. Mit der Suchfunktion tauchen erotische Bücher allerdings ganz normal auf.

Um den Verkauf anzukurbeln, kannst du verschiedene Wege beschreiten:

Schreib einen Mehrteiler. Leser, die mit deinem dritten Band einsteigen, werden sich nach und nach auch noch den ersten und zweiten zulegen.

Schau dir den Verkaufsrang innerhalb der Erotik-Rubrik an: Welche Themen stehen ganz oben, welche finden die meisten Leser?

Erstelle dein Autorenprofil auf Amazon und im Social Web. Schwerpunkt dabei ist die gelungene Inszenierung von Autor und Werk.

Schalte Anzeigen auf den guten alten Videoportalen. Du wirst überrascht sein, wie günstig die Preise dort im Vergleich zu Google Ads sind. Und noch überraschender: Die Leute dort wollen nicht nur schauen. Tatsächlich kannst du damit echte Leser gewinnen.

Was immer du schreibst: Roman, Erzählung, Geschichte: Viel Spaß und Erfolg damit!

Wenn du dich ausschließlich auf das Schreiben konzentrieren möchtest und einen seriösen Verlag für dein Manuskript suchst, empfehle ich dir meine Liste mit Erotik-Verlagen.

Wenn du einen zweiten Blick auf deine Story brauchst: Schau dir mein Probelektorat an.

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