Ein Wanderbuch schreiben – Teil 2: Exposé

Das Konzept steht, ein Wanderthema ist gefunden und die Touren sind geplant. In diesem Beitrag geht es um das Exposé und weitere formale Dinge, die beachtet werden sollten, um ein Vorhaben an den Mann oder die Frau zu bringen.

Verlage kaufen Sachbuchprojekte auf der Basis eines überzeugenden Exposés und einer gut gemachten Leseprobe ein.

Ein professionelles Exposé präsentiert die Idee einer Buchveröffentlichung. Es sollte ein Thema kompetent und authentisch darstellen.

Der Freizeit-Markt ist sondiert, die wichtigsten Titel sind gelesen. Die Idee, welches Wander-Thema oder welche Sichtweise das bestehende Angebot bereichern könnte, steht ebenfalls fest.

Schauen wir uns an, wie das Ganze in ein überzeugendes Exposé gepackt werden kann

Exposé – Die Bestandteile

Für sich gesehen ist jedes Exposé einzigartig. Dennoch enthalten Exposés in der Regel feste Bestandteile, die so oder allenfalls in leicht abgewandelter Form erwartet werden.

Arbeitstitel und Untertitel

Ein Verlag investiert Geld in ein Manuskript. Unter anderem deshalb behält er sich vertraglich das Recht vor, über den späteren Titel eines Buchs zu entscheiden. Er kennt seinen Markt und die Zielgruppe sehr genau und wird stets einen finalen Titel wählen, der größtmögliche Verkaufszahlen erwarten lässt. Aus diesem Grund wird der vorläufige Titel Arbeitstitel genannt. Das bedeutet wiederum nicht, dass ein Buch später nicht auch so heißen könnte.

Der Arbeitstitel fasst die Essenz eines Manuskripts in wenigen, passenden Worten zusammen.

Ähnlich wie bei einer treffenden Schlagzeile sollte in Arbeits- und Untertitel jedes einzelne Wort gut überlegt und durchdacht platziert werden. Formuliere dazu zwei, drei Favoriten, tausche Wörter zwischen Arbeits- und Untertitel aus und denke auch an passende Synonyme.

Am Ende sollte eine Version stehen, bei der kein Wort mehr hinzugefügt werden muss, aber auch keins mehr gestrichen werden kann.

Genre

Über das Genre wird ein Manuskript ganz allgemein eingeordnet. Worum geht es, Roman, Sach- oder Fachbuch?

Beim Thema Wandern zählt ein Buch zur Oberkategorie Sachbuch. Die spätere Unterkategorie wäre Ratgeber, nochmals verfeinert dann »touristische Ratgeber« bzw. »Ratgeber Wandern«.

Eine Buchhandlung vor Ort wird nochmals differenzieren in »Ratgeber Wandern für die xyz-Region«.

Thema

Unter dem Begriff Thema wird das Projekt in wenigen Worten zusammengefasst. Ähnlich wie beim Arbeits- und Untertitel wird der Inhalt in ein, zwei Schlagzeilen dargestellt.

Im Unterschied zum Arbeitstitel kann das Thema etwas freier formuliert werden. Das sollte man nutzen und inhaltliche oder sprachliche Wiederholungen zwischen Thema und Arbeits- und Untertitel vermeiden. Das Thema bietet Raum, um zusätzliche Informationen unterzubringen, die im Arbeitstitel zu kurz kamen.

Geplanter Buchumfang

Beim Buchumfang geht es um quantitative Fakten, um ein Projekt schnell einschätzen und einordnen zu können.

  • Wie viele Seiten umfasst das Manuskript
  • Werden Fotos geliefert und wenn ja, wie viele?
  • Tabellen und Grafiken?

Die Antworten darauf ergeben ein Bild des voraussichtlichen Buchumfangs und sind hilfreiche Größen für die weitergehende Planung.

Termine

  • Wann wird das Manuskript voraussichtlich fertig?
  • Wann könnte Erscheinungstermin für das Buch sein?

Verlage planen ihr Sachbuchprogramm durchaus ein bis zwei Jahre im Voraus. Neue Bücher erscheinen oft im Frühjahr und im Herbst, wenn die Leipziger- und Frankfurter-Buchmesse eine stark erhöhte Medienaufmerksamkeit genießen.

Wenn ein Manuskript frühzeitig eingeplant wird, profitieren Autor und Verlag somit zusätzlich von einem der beiden Mega-Events.

Zielgruppe

Die Zielgruppe wurde bereits im Rahmen der Konzeptionierung definiert.

  • Wer soll das Buch lesen
  • Wer soll es kaufen

»Dieses Buch richtet sich an alle, gern wandern« reißt niemanden vom Hocker. Die Kernzielgruppe, der »Musterleser«, sollte so exakt wie möglich herausgearbeitet werden.

Marktanalyse

Informationen zur Marktanalyse liefert der On- und Offline-Buchhandel.

  • Wurde ein vergleichbares Thema bereits veröffentlicht?
  • Was ist neu an der Idee?
  • Was macht das Manuskript zu etwas Besonderem?

Wer sein Projekt aus Verlagssicht betrachtet, bringt auch seine Mitbewerber neutral und fair zur Sprache. Und punktet mit einer sachlich-fundierten Analyse.

Inhaltsverzeichnis

Das Inhaltsverzeichnis ist der rote Faden. Es führt vom Anfang bis zum Ende eines Buchs und verrät, auch im Subtext, einiges über Eigenschaften und Besonderheiten eines Buchs.

  • wie wird an das Thema herangegangen
  • welche Aspekte sind wichtig oder weniger wichtig
  • welche Position wird gegebenenfalls bezogen

Für ein Exposé könnte das Inhaltsverzeichnis beispielsweise aus Kapitelüberschriften bestehen, die jeweils um zwei bis drei Sätze zum Kapitel-Inhalt ergänzt werden.

Probekapitel, Fotos, Abbildungen

Im Exposé-Stadium wird noch nicht erwartet, dass ein Probe- oder Musterkapitel bereits fix und fertig ist. Fürs Erste reichen einige aussagekräftige Seiten.

Empfehlenswert ist jedoch, dass Fotos und Abbildungen enthalten sind, um die Idee besser zu veranschaulichen. Verlage haben ein Gespür dafür, ob ein Projekt professionell betrieben wird und das Ganze eine Herzensangelegenheit für den Autor ist.

Autorenvita

Mit einer Vita ist nicht ein Lebenslauf gemeint, wie man ihn aus Beruf und Bewerbung kennt.

Was genau damit gemeint ist, kann man sich mit dem Bild einer Pyramide vorstellen. An der Spitze steht das, was im Zusammenhang mit einem Buch relevant ist.

Die Ich-Form bei einer Vita unprofessionell und sollte deshalb in der dritten Person verfasst werden. Sinnvolle Angaben wären beispielsweise …

  • Wer du bist (Name, Alter, Beruf, Expertenstatus zum Thema).
  • Bereits themenbezogene veröffentlicht?
  • Wie sehr »brennst« du für das Thema?
  • Wie könntest du selbst zur Vermarktung beitragen? (On-/Offline-Netzwerke, Pressekontakte, Talkshows, usw.)

Die Autorenvita wird später in abgewandelter oder erweiterter Form überall dort auftauchen, wo es um den Verkauf eines Buchs geht.

Exposé – ein Beispiel

Als Beispiel zeige ich einen Exposé-Auszug für das Buch: Pilgerwanderungen an der Mosel.

Ein Wanderbuch schreiben Exposé

Nachdem die Wanderungen skizziert sind, folgt eine grobe Übersichtskarte. Details sind hier noch nicht wichtig, vielmehr sollen Lektorat, Marketing und Vertrieb im Verlag das Wandergebiet auf einen Blick erfassen können.

Ein Wanderbuch schreiben Exposé

Dann folgen die einzelnen Wanderrouten, in diesem Stadium grob in Google Maps eingezeichnet.

Ein Wanderbuch schreiben Exposé

Das Ganze im gedruckten Buch aus.

Ein Wanderbuch schreiben Exposé

Ein Wanderbuch schreiben Exposé

Ein perfektes Exposé gleicht einem Komplettpaket.

  • ein aktuelles oder originelles Thema
  • interessant und unterhaltsam aufbereitet
  • von einem kompetenten und im besten Fall gut vernetzten Autor

Honorar

Ein seriöser Verlag investiert in seine Autoren und übernimmt die Kosten für Lektorat, Herstellung und Werbung im Voraus.

Ziel ist es, die Investitionen durch den Verkauf eines Buchs wieder einzuspielen und am Ende mit einem Gewinn abzuschließen.

Der Autorenanteil am Gewinn wird als Honorar bezeichnet und beträgt in der Regel 5-10 % vom Ladenpreis eines verkauften Buchs.

Bei einem Ladenpreis von 10 Euro, 1.000 verkauften Exemplaren und
10 % Autorenhonorar kann man sich leicht ausrechnen, dass mit einem Buch allein keine Reichtümer erzielt werden können.

Immaterieller Gewinn

Als Autor lernt man und sammelt Erfahrungen. Ein starkes Motiv kann auch darin liegen, Wandern und Schreiben miteinander zu kombinieren. Eine Beschäftigung, die man das ganze Jahr über mit persönlichem Gewinn betreiben kann.

Nachwuchsautoren können kaum mit einem Vorschuss ihr Projekt rechnen. Die meisten Verlage sind aber immerhin so spendabel, für den Ablauf eines Projekts Spesen bis zu einer bestimmten Höhe zu übernehmen. Auf diese Weise können beispielsweise Bahnfahrkarten, Taxiquittungen und dergleichen abgerechnet werden.

Verlag finden

Um herauszufinden, welcher Verlag für ein Projekt infrage kommen könnte, sollte man Informationen zum Programm sammeln und überlegen, ob das geplante Buch dort hineinpassen würde.

Buchhandlung

Fast schon aus der Mode gekommen ist der Gang in die nächstgelegene Buchhandlung. Man nimmt entsprechende Bücher in die Hand und bekommt über die Haptik eine Vorstellung davon, wie ein Buch später aussehen könnte und in welchem Umfeld es sich bewegen wird.

Fragen, die beim Besuch einer Buchhandlung beantwortet werden …

  • Wie wirken sich Seitenzahlen auf den Umfang aus
  • Welche Schwerpunkte hat Verlag A im Gegensatz zu Verlag B
  • Wonach greifen Kunden zuerst
  • Was davon wird zur Kasse getragen

… und vieles mehr.

Mit etwas Glück findet man im Regal auch das ein oder andere Buch aus einem »exotischen« Verlag. Das wäre beispielsweise ein Verlag, der ansonsten keine Wanderbücher macht, aber eben dieses eine herausgebracht hat. Vielleicht gibt es einen Bezug zum eigenen Thema.

Internet

Im Internet sucht man allgemein und speziell bei Amazon nach Veröffentlichungen zum eigenen Thema. Bei jedem Treffer notiert man den Verlagsnamen und macht anschließend die Gegenprobe. Dazu ruft man die Webseiten und -shops der Verlage auf.

  • ist der Verlag noch im Geschäft
  • sind die Auflagen aktuell
  • sind weitere Bücher in Planung
  • wenn ja, welche

Wenn alles passt, ist ein Kandidat für die engere Auswahl gefunden.

Ansprechpartner finden

Nun gilt es, die Namen der Lektoren aus der engeren Auswahl zu ermitteln. Manchmal findet man Kontakte ins Lektorat direkt auf der Website.

Falls nicht, ruft man dort an und fragt nach dem zuständigen Mitarbeiter. Um genau den Richtigen zu ermitteln, schildert man sein Projekt in aller Kürze. An dieser Stelle kann der Arbeitstitel zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Mit einer guten Vorbereitung erhöht man die Chance, mit genau dem Lektor verbunden zu werden, der für das eigene Thema verantwortlich zeichnet.

Leider ist die Buchmesse keine gute Gelegenheit, um Kontakte zu Verlagen zu knüpfen. Die Terminkalender sind vollgepackt und hinter den Kulissen finden fast ausschließlich Lizenzgeschäfte statt. Auf der Buchmesse hat schlicht niemand Zeit für eine unverbindliche Projektvorstellung.

Exposé einreichen

Wenn die Verlagsliste steht, mailt man sein Exposé an die ersten fünf Verlage und wartet ab. Wenn Absagen kommen oder gar keine Antwort eintrifft, nimmt man sich die nächsten fünf vor. Und so weiter, bis endlich positives Feedback eintrifft.

Auf diese Weise verhindert man, sich zu sehr zu verzetteln und hat darüber hinaus die Möglichkeit, seinem Exposé nach ersten Reaktionen ein nochmaliges Feintuning zu verpassen.

Dienstleister

Agenturen sind Dienstleister, die Autoren die Verlagssuche abnehmen. Agenturen verhandeln mit Verlagen auf Augenhöhe. Ein hohes Autorenhonorar liegt in ihrem ureigenen Interesse, denn für ihre Dienste beansprucht die Agentur einen Anteil davon. Als Vergütung sind 10-15 % vom Autorenhonorar üblich.

Im Belletristik-Bereich sind literarische Agenturen seit einigen Jahren fest etabliert. Beim Sachbuch ist das Angebot noch ausbaufähig.

Agenturen verfügen über ausgezeichnete Kontakte zu Verlagen. Verlage wiederum schätzen die Vorauswahl, die die Agentur mit der Auswahl eines Manuskripts bereits getroffen haben.

Keine Agentur wird ihren guten Ruf riskieren, indem sie ein schlechtes Manuskript an den Verlag zu bringen versucht. Erst wenn eine Agentur Exposé und Manuskript für gut befunden hat, vermittelt sie es an einen Verlag.

Verlagsarbeit

Wenn ein Manuskript angenommen wurde, folgt der weitere Prozess einem festen Schema, dessen Ziel das fertige Buch ist.

Zunächst wird das neue Projekt vom Lektorat auf einer der meist halbjährlichen

Programmkonferenzen

vorgestellt.

Dort diskutieren Verlagsleitung, Marketing, Herstellung und Vertrieb und verabschieden das nächste Verlagsprogramm.

Vertreterkonferenzen

Ebenfalls halbjährlich stellen die Lektoren ihre Projekte den Handelsvertretern vor. Außendienstler, die zweimal pro Jahr so gut wie jede Buchhandlung im Land persönlich besuchen, schätzen mit praxiserprobtem Blick die Verkäuflichkeit eines jeden Titels ein. Die vermutete Höhe der Vorbestellungen aus dem Handel ist ein Richtwert und kann sich unter anderem auch auf die Höhe der Erstauflage auswirken.

Lektorat

Ein freier oder festangestellter Lektor überprüft den Text auf …

  • logisch-nachvollziehbare Zusammenhänge
  • einheitlichen Stil
  • zielgruppengerechte Ansprache

Die Manuskript-Prüfung einige Wochen, aber auch mehrere Monate dauern. Änderungen werden kooperativ und gemeinsam zwischen Autor und Lektor besprochen.

Korrekturen

Bei einem Korrekturlauf wird das Manuskript auf …

  • Orthografie
  • Interpunktion
  • Grammatik
  • typographische Fehler

… überprüft.

Der Korrekturlauf wird so oft wiederholt, bis das Manuskript fehlerfrei ist. Zum Abschluss bittet der Lektor beim Autor um Druckfreigabe und leitet das Manuskript weiter an die Herstellung.

Herstellung

Die Gestaltung von Layout und Buchcover wird in der Regel mit dem Autor abgesprochen.

Beim Layout einer Buchreihe gibt es naturgemäß nicht allzu viele Optionen. Hier soll der Reihencharakter – der Wiedererkennungswert für Buchkäufer – explizit erhalten bleiben.

Viele Verlage arbeiten mit freien Grafikern und Buchgestaltern. Die Herstellung koordiniert die Zusammenarbeit und überwacht die gesamte Produktionstechnik bis zum Ende.

Vertrieb und Auslieferung

Die Vertriebsabteilung kümmert sich darum, dass ein Buch auf allen Verkaufskanälen verfügbar ist.

Großkunden (key customers) werden direkt von der Vertriebsleitung betreut. Alle anderen Wiederverkäufer werden vom Außendienst besucht.

Wenn ein Verlag selbst ausliefert, gehen die Bücher direkt ab Verlag zum Groß-, Einzel- und Internethandel.

Verlage, die kein eigenes Lager unterhalten, sind bei einer Verlagsauslieferung unter Vertrag. Die Auslieferung übernimmt gegen Gebühr den Vertrieb, die Rechnungsstellung und auch die Retouren aus dem Handel.

Presse/PR

Die Presseabteilung hält Kontakt zu Medien, beispielsweise Zeitschriften zum Thema Wandern und Freizeit.

Wer eigene Kontakte hat, solltet diese der PR-Abteilung melden, damit Rezensionsexemplare dorthin verschickt werden können.

Im Gegenzug kann man dem Verlag mit einem Feedback helfen uns sammelt Zeitungsausschnitte, Links zu Rezensionen, etc. für das verlagsinterne Presse-Clipping.

Auf diese Weise kann eine schöne Sammlung an Rezensionen aufgebaut werden, die über die Verlags-Website zum Buch abrufbar ist.

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Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein Wanderbuch zu konzipieren, kann mich gerne kontaktieren. Schreibt mir ein, zwei Zeilen zum geplanten Projekt und ich melde mich zeitnah mit einer ersten Einschätzung zurück.

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Beispiel-Lektorat Symbolfoto by Ian Schneider on Unsplash

Im Beispiel-Lektorat bearbeite ich drei Seiten Text kostenlos. Du erfährst, wie Lektorat geht, wie Texte verbessert werden und an welchen Stellschrauben im Manuskript du noch drehen kannst.

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