Ein Kochbuch schreiben und als Self-Publisher veröffentlichen

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Ein Kochbuch zu schreiben ist der Traum vieler Hobbyköche. Der Wunsch, die eigene Rezeptsammlung auf Vordermann zu bringen und der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist weit verbreitet. Vieles spricht für ein solches Vorhaben, manches aber auch dagegen.

Warum das so ist und was du bei einem solchen Projekt beachten solltest, zeige ich dir in diesem Beitrag.

Manuskript

Schon in der Geburtsstunde deiner Idee für ein Kochbuch solltest du eine ungefähre Vorstellung davon haben, worum es in deinem Buch gehen soll. Stehst du lieber am Herd oder ist es eher das Backen, das dich in der Küche reizt. Bei dieser Überlgung geht es darum, deine Nische zu finden. Sobald du dich für ein grobes Thema entschieden hast, grenzt du den Fokus weiter ein, bis du dein Kernthema gefunden hast.

Am Beispiel „Backen“ könnte das so aussehen: Du lässt alle Kuchen beiseite und konzentrierst dich auf das Backen von Muffins. Weil es aber bereits viele Muffin-Backbücher in den Shops gibt, spezialisierst du dich noch weiter, sagen wir … auf herzhafte Muffins. Zwar wäre auch bei diesem Thema dein Buch nicht das erste auf dem Markt, aber seine Sichtbarkeit ist deutlich erhöht, weil es nicht allzu viele Konkurrenzbücher zu diesem Thema gibt.

Nach dem gleichen Prinzip wie beim Backen kannst du auch bei allen anderen Zubereitungsarten vorgehen, um deine Nische zu finden.

Nur wenn du etwas besonderes erschaffst, sticht dein Buch aus den unzähligen Kochbüchern heraus, die jedes Jahr neu auf den Markt kommen. Rezepte sind ein Erfahrungsschatz und jedes einzelne davon hat seine Geschichte. Wenn du die Geschichten zu deinen Rezepten gut erzählst und ein Faible für dein Nischenthema mitbringst, stehen deine Chancen auf ein erfolgreiches Buch nicht schlecht.

Text

Dein Thema wirkt sich auf Text und Stil deines Buchs aus. Planst du ausschließlich Rezepte oder möchtest du deine Sammlung noch mit Tipps für eine bestimmte Ernährungsweise verbinden? Schreibst du ein Dessert-Kochbuch oder doch lieber ein Buch zum Thema Partyfood? Festtags-Torten – aber ohne Zucker?

Wenn du Probleme damit hast, deine Nische zu finden, kannst du dich auf unzähligen Webseiten über Trends, Produkte, angesagte Diäten und neue Küchengeräte informieren.

Mehr als eine Rezeptsammlung: Geschichten

Dein Kochbuch soll etwas Besonderes werden. Vielleicht kannst du Trends miteinander kombinieren? Entscheide dich für einen Stil, der zu dir und deinem Thema passt. Nur wenn du weißt, worum es in deinem Kochbuch gehen soll, kannst du eine Stimmung und ein Gefühl für deine Inhalte hervorrufen.

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© Becca Tapert, Unsplash

Einfach nur Rezepte aufschreiben war gestern. Moderne Kochbücher erzählen auch die Geschichten dahinter, denn erst sie geben einem Buch Persönlichkeit.

Ein Beispiel: Wenn du ein Kochbuch über Vorspeisen aus der Provence schreibst, berichtest du von deinen Aufenthalten dort. Wie war das auf dem Wochenmarkt, welche Produkte haben dich fasziniert? Beschreibe ihre Farben und Gerüche. Der Fischhändler hat dir einen Zubereitungstipp gegeben? Das muss selbstverständlich ins Buch!

Erzähl davon, was die Provence einzigartig macht und warum ihre Rezepte deinen Lesern eine kulinarische Erinnerung an den Sommer auf den Tisch zaubern.

Die richtige Reihenfolge

Dein Kochbuch kann und soll deine Handschrift tragen und es spricht nichts dagegen, wenn du ausgetretende Pfade hier und da auch einmal verlässt. Bedenke aber, dass deine Leser eine bestimmte Reihenfolge erwarten: Von herzhaft bis süß, von Vorspeise bis Nachtisch und von einfach bis anspruchsvoll.

Deine Leser sind diese Standards gewohnt, deshalb solltest du sie nicht durchbrechen.

Während du deine Rezepte kochst, notierst du detailliert jeden Handgriff. Wenn dafür zu wenig Zeit ist, weil du gleichzeitig schnippeln und rühren musst, kannst du die Szene auf Video aufzeichnen und später transkribieren. Notiere auch Tipps und alternative Zutaten, die deine Leser zusätzlich animieren, deine Rezepte nachzukochen.

Versetz dich beim Schreiben in die Lage deiner Leser: Statt „Kartoffeln 20 Minuten in Salzwasser kochen“ solltest du den ganzen Vorgang beschreiben: Ist eine bestimmte Sorte Kartoffeln geeignet und wenn ja, welche? Werden sie in der Schale gekocht und wenn nein: Grob oder fein zerkleinert? Sollte der Deckel auf dem Topf bleiben oder nicht? Es mag dir banal vorkommen, aber eine detaillierte Beschreibung ist die Basis, auf der auch unerfahrene Köche Rezepte nachkochen können.

Lass deine Rezepte von Familie und Freunden testen. So erfährst du bereits im Entstehungsprozess, wie gut deine Anleitungen sind, wo es noch hakt und vor allem, wie deine Gerichte ankommen.

Copyright: Eigene versus adaptierte Rezepte

Eine Liste mit Zutaten und groben Anweisungen, was damit zu tun ist, fällt nicht unter das Urheberrecht. Ein ausgeschriebenes Rezept aber schon. Deshalb sollten alle Rezepte in deinem Buch von dir stammen. Wenn nicht, solltest du sie zumindest sehr stark abwandeln. Geh offen mit diesem Thema um und erwähne die Tatsache, dass dein Rezept abgewandelt oder von einem anderen inspiriert wurde. Vergiss nicht den Namen der Person, von der du gegebenfalls ein Rezept adaptiert hast.

Fotos und Illustrationen

Das Fotografieren von Nahrungsmitteln und Gerichten ist eine Kunst für sich und wird in der Lebensmittelbranche als Food-Fotographie bezeichnet. Dabei werden Nahrungsmittel und Zutaten arrangiert und angerichtet, um ihre Frische und Besonderheit herauszustellen. Um das zu suggerieren, wird beispielsweise bei einer kühlen Flasche Weisswein mit Kondenswasser nachgeholfen. Teilweise werden auch künstliche Produkte eingesetzt, um die Eigenschaften des Originals über seine natürliche Anmutung hinaus zu inszenieren. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Haarspray, dass Obst zu mehr Glanz verhilft.

Für einen Hobbykoch sind diese Techniken nur schwer machbar und in vielen Fällen auch nicht wünschenswert. Wenn deine Gerichte echt sind, sind sie authentisch und bereiten auch deinen Testessern eine Freude.

Ob du jedes einzelne Gericht abbildest oder nur deine ganz besonderen Rezepte fotografierst, entscheidest du. Ein Muss sind hochwertige Fotos in hoher Auflösung. Dafür brauchst du nicht gleich das nächste Fotogeschäft aufzusuchen, denn in vielen Fällen ist ein modernes Smartphone mit Tischstativ vollkommen ausreichend. Tipps für das Fotografieren in der eigenen Küche findest du hier.

Beispiel Smartphone: Food-Fotografie mit Samsung S7 und Instagram-Filtern © Marie Bender

Bildbearbeitung

Fast so wichtig wie die Fotos ist ihre nachträgliche Bearbeitung am Computer. Mit einer guten Bildbearbeitungssoftware kannst du deine Aufnahmen bearbeiten, filtern und mit Effekten versehen. Ein Gratisprogramm, mit dem du hervorragende Ergebnisse erzielen kannst, ist das Bildbearbeitungsprogramm Gimp.

Auch Diagramme und Illustrationen lockern in der Kombination mit Fotos dein Buch auf.

Es versteht sich von selbst, dass du keine Bilder oder Illustrationen verwendest, an denen du keine Rechte hast.

Der Überarbeitungsprozess

Dein Werk durchläuft einen mehrfachen Prozess der Überarbeitung. Lass es immer wieder von anderen lesen und überprüfe, ob Zutaten, Maßangaben und Garzeiten exakt so stimmen, wie sie in deinem Manuskript vorgesehen sind.

Wenn im fertigen Buch ein entscheidender Schritt bei der Zubereitung fehlt, wirst du das deinen Lesern nur schwer erklären können.

Eine gute Idee ist es, einen Freund oder eine Freundin zum Proofreader zu machen. Das ist eine Person, die bewusst kritisch an deine Rezepte herangeht, um alle möglichen Schwachstellen vor der Veröffentlichung aufzuspüren.

Zielgruppen

Werfen wir einen Blick auf mögliche Zielgruppen für deine Rezeptsammlung. Zunächst könnten das Personen sein, die du kennst: Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen. Auf der anderen Seite existiert eine Zielgruppe aus Personen, die dich noch nicht kennen. Das sind die klassischen Buchkäufer.

Eng mit der Zielgruppe ist auch die Intention eines Buchs verknüpft: Was möchtest du damit erreichen, was ist der eigentliche Grund für dein Buch? Du könntest mit leckeren Rezepten Freude schenken. Oder du hast eine besonderen Botschaft, wie beispielsweise die Health-Küche und möchtest damit möglichst viele Menschen erreichen. Vielleicht geht es dir aber auch darum, mit deinem Hobby nebenher etwas Geld zu verdienen.

Familie, Freunde und Bekannte

Für dein näheres Umfeld kannst du ein gedrucktes Kochbuch in einer kleinen Auflage relativ einfach und kostengünstig produzieren. Sobald dein Manuskript fertig ist, exportierst du die Datei als pdf und bringst sie zu einem Copyshop. Dort kannst du unter diversen Papiersorten und -qualitäten wählen. Auch verschiedene Bindeverfahren stehen für dein Projekt zur Auswahl. Für kleines Geld erhältst du so ein nettes Mitbringsel.

Die zweite Möglichkeit für ein Kochbuch in Mini-Auflage sind Fotobücher, wie sie zum Beispiel von Drogerien und anderen Dienstleistern angeboten werden. Ein Vorteil bei Fotobüchern ist die Fokussierung auf den visuellen Eindruck. Für schöne Fotos sind sie wie gemacht. Der Nachteil ist, dass Raum und Gestaltungsmöglichkeiten für Text begrenzt sind.

Eine dritte Möglichkeit für ein eigenes Kochbuch ist das eBook.

eBook-Leser

eBook-Bestseller aus der Rubrik Kochen & Genießen (Quelle: Amazon, Stand 03.05.2020)

Am Beispiel der Amazon eBook-Bestseller aus der Rubrik Kochen & Genießen Anfang Mai 2020 erkennst du, dass ganz unterschiedliche Themen an der Spitze platziert sein können. Was die drei Erstplatzierten in dieser Momentaufnahme gemeinsam haben: Sie stehen jeweils für einen aktuellen Trend.

Verlockend bei einem Kochbuch als eBook ist die Tatsache, dass du so viele Bilder unterbringen kannst, wie du möchtest. Anders als bei einem gedruckten Buch spielen Herstellungskosten absolut keine Rolle.

Auf der anderen Seite haben eBooks einen entscheidenden Nachteil: Die meisten Hobbyköche und Buchkäufer bevorzugen gedruckte Kochbücher. Selbst Leute, die es gewohnt sind, mit Tablet oder Smartphone auch in der Küche zu hantieren, setzen beim Kochen lieber auf ein gedrucktes Rezept.

Warum das so ist? Darüber läßt sich nur spekulieren. Villeicht ist es die – nicht ganz unbegründete – Sorge vor Fettspritzern auf dem Gerät. Oder es ist inzwischen so, dass alle, die mal eben ein digitales Rezept benötigen, sich schnell bei Chefkoch oder anderen Rezept-Plattformen bedienen. Recherche, Kauf und Bezahlung: Alles viel zu kompliziert in dieser Situation. Ein eBook braucht es dafür nicht.

„Das Dilemma in der Kochbuch-Nische: Ich habe ein Kochbuch mit Farbfotos. Es ist teuer, verkauft sich aber trotzdem wesentlich besser als das eBook, das nur einen Bruchteil dessen kostet.“

Zitat aus einem Forum für Self-Publisher

Print-Leser

Print-Bestseller aus der Rubrik Kochen & Genießen (Quelle: Amazon, Stand 03.05.2020)

Ein professionell gedrucktes Kochbuch ist hochpreisig, aber trotzdem besser verkäuflich, als sein Pendant als eBook.

Als Self-Publisher eines gedruckten Buchs musst du eine Basis-Entscheidung treffen: Grossformatiges Buch und professionell von einer Druckerei gemacht oder Taschenbuch im Self-Publishing mit überschaubaren Druckkosten.

Jede Farbseite treibt deine Herstellungskosten in die Höhe, gleichzeitig ist die Druckqualität beim Self-Publishing auch heute noch oftmals sehr bescheiden.

Ein Kompromiss könnte so aussehen, dass du Farben nur auf dem Buchcover verwendest und alle anderen Abbildungen in schwarzweiß druckst, damit dein Buch eine Preisgrenze, wie beispielsweise zehn Euro, nicht überschreitet. Allerdings ist ein Kochbuch ohne Farbe für manche Leser wenig attraktiv, deshalb solltest du fairerweise in der Buchbeschreibung darauf hinweisen.

Wenn deine Nische es preislich zulässt, kannst du einen externen Drucker in Erwägung ziehen. Es gibt einige Print-on-Demand Anbieter, die relativ günstig und gut in Farbe drucken. Bei manchen, wie zum Beispiel epubli, kannst du online deine Kalkulation durchrechnen lassen.

Als Hobbykoch und Selbstverleger stehst du in einem harten Wettbewerb mit etablierten Verlagen und anderen Self-Publishern. Mit deinem Buch in die großen Buchhandlungen zu kommen, wird schwierig bis unmöglich sein. Eine Chance hast du bestenfalls, wenn deine Nische einen Nerv trifft. Wenn du zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Thema am Start bist. Das kann ein Trend sein oder auch das exakte Gegenteil davon, wenn du beispielsweise Rezepte aus der Retro-Küche wiederentdeckst.

Regionale Küche geniesst einen Sonderstatus beim Publikum. Ein Bestseller aus meiner eigenen Region sind die „Mosel-Tapas“. Die Idee der Autorin: Rezepte mit ausschließlich regionalen Zutaten, das Ganze als kleine, feine Vorspeisen angerichtet. Herausgekommen ist ein farbiges Kochbuch, dass die Herzen (und Küchen) der Regio-Köche im Sturm erobert hat.

Lektorat: Mehr als Korrekturlesen

Am Anfang dieses Beitrags haben wir über Geschichten gesprochen: Kleine Anekdoten, die du mit diesem oder jenem Rezept verbindest oder die du als Überleitung von einem Kapitel zum nächsten verwenden kannst. Auch wenn der Fokus bei einem Kochbuch nicht zuallererst auf der Sprache liegt, solltest du auf einen guten und dem Thema angemessenen Stil achten.

Ein Tippfehler hier, ein Leerzeichen zu viel dort: Spätestens deine Leser werden Fehler bemerken. Je mehr davon vorhanden sind, umso stärker erweckt ein Buch den Eindruck, unprofessionell oder gar schludrig zu sein. Viele Leser schließen von der Form auf den Inhalt, deshalb solltest du auch bei Kleinigkeiten höchste Vorsicht walten lassen.

Ein Self-Publisher Lektorat schützt dich vor Fehlern und kann entscheidend dazu beitragen, die Texte für dein Kochbuch zu professionalisieren. Wenn du soweit bist und dein Manuskript Korrekturlesen lassen möchtest, freue ich mich auf deinen unverbindlichen Kontakt.

© Titelbild: Caroline Attwood, Unsplash


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