Lorettablick, Starkenburg

Starkenburg: Lorettablick

Starkenburg: Lorettablick

[Auszug aus: Pilgerwanderungen an der Mosel]

Um 1300 als Gräfin von Salm geboren, heiratete Loretta mit gerade einmal 16 Jahren den etwa doppelt so alten Heinrich von Sponheim von der Starkenburg. Nach nur sieben Ehejahren starb ihr Mann, und Gräfin Loretta wurde die Regentschaft über die Grafschaft übertragen. Dies missfiel dem Trierer Kurfürsten: Balduin von Luxemburg wollte die Starkenburg gerne unter seiner Herrschaft und damit Loretta unter seiner Kontrolle wissen. Die junge Witwe setzte sich jedoch zur Wehr und drehte den Spieß einfach um. Während einer Schiffsfahrt auf der Mosel ließ sie kurzerhand den großen Balduin gefangen nehmen und sperrte ihn auf der Starkenburg ein. Die Verhandlungen über seine Freilassung zogen sich über neun Monate hin. Das Ganze war ein unerhörter Vorgang für die damalige Zeit, der Adel tobte, die Geschichte schlug Wellen bis nach Avignon, wo damals die Päpste residierten, und endete mit dem Kirchenbann durch Johannes XXII. Doch Loretta blieb stur. Erst ein hohes Lösegeld und weitreichende politische Zugeständnisse konnten sie schließlich umstimmen. Balduin musste ihr bei seiner Freilassung versprechen, sich beim Papst für die Auflösung des Bannfluchs einzusetzen. Und tatsächlich: Vier Jahre später finanzierte Balduin Lorettas Bußgang nach Avignon und schrieb ihr sogar eine Pilgerempfehlung an den Papst, in der er seine Entführung als „zufälliges Missgeschick“ bezeichnete.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.